„Gott, du hast uns wunderbar erschaffen und noch wunderbarer wiederhergestellt“: Anmerkungen zur Geschichte der Feiern von Umkehr und Versöhnung

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Mit diesen Worten des Staunens, der Freude und des Dankes preist die Kirche am Weihnachtstag wie auch bei der Taufgedächtnisfeier in der Ostervigil Gott für sein rettendes Handeln am Menschen: denn „sehr gut“ ist alles, was Gott geschaffen hat (vgl. Gen 1,31); ein „wunderbarer Tausch“ ist es, wenn Gottes Wort – sein Sohn – in der Weihnacht Mensch wird, damit die Menschen göttliches Leben gewinnen; überwältigend aber ist die Erfahrung jener „wahrhaft seligen“ ersten Osternacht, „die Himmel und Erde versöhnt, die Gott und Menschen verbindet“ und die Gläubigen staunend rufen lässt: „O glückliche Schuld, welch großen Erlöser hast du gefunden!“ (aus dem Osterlob Exultet). „„Gott, du hast uns wunderbar erschaffen und noch wunderbarer wiederhergestellt“: Anmerkungen zur Geschichte der Feiern von Umkehr und Versöhnung“ weiterlesen

Wann ist man Christ?

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„Lasst euch erneuern durch den Geist in eurem Denken“ – mit diesen Worten fordert Paulus die Gemeinde in Ephesus auf, sich auf die Lehre Jesu zurückzubesinnen und die eigene Lebensführung zu überdenken. Eigentlich eine Selbstverständlichkeit – das Umdenken ist eine Daueraufgabe jedes Christen. Das eigene Gottesbild, sich selbst und das Verhältnis zum Nächten in Frage zu stellen, war lange eine tägliche Praxis der Christen in Form der täglichen Gewissenserforschung. „Wann ist man Christ?“ weiterlesen

Moraltheologie (Theologische Ethik) – Eine Antwortsuche auf brennende Fragen

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Beitrag von Univ.-Prof. Dr. Angelika Walser

Nach meinem letzten Vortrag bei den THEOLOGISCHEN KURSEN zum Thema „Menschenwürdig sterben“ im März 2013 bin vermutlich nicht nur ich, sondern auch die Teilnehmerinnen und Teilnehmer erschöpft nach Hause gegangen. „Und morgen Mittag bin ich tot“[1] – so lautete der Titel eines deutschen Spielfilms (2013), den wir nach meinem Vortrag über unterschiedliche Konzeptionen von Menschenwürde gemeinsam angeschaut und diskutiert haben: In diesem 2013 erschienen Film geht es um eine junge Frau, die an Mukoviszidose, einer unheilbaren Stoffwechselerkrankung, leidet. Weil schon ihr Bruder an dieser Krankheit verstorben ist und ihre Erstickungsanfälle immer qualvoller werden, beschließt sie, in die Schweiz zu reisen und sich dort durch assistierten Suizid von ihrem Leiden erlösen zu lassen. Sie lädt ihre Familie und ihren Jugendfreund zu einem letzten Geburtstagsfest ein … „Moraltheologie (Theologische Ethik) – Eine Antwortsuche auf brennende Fragen“ weiterlesen

Stefan Zweig über Erfolg in der Politik

Stefan Zweig
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Am 29. Jänner 2020 hielt Dr. Arturo Larcati, der Leiter des Stefan Zweig Zentrums der Universität Salzburg bei der AKADEMIE am DOM einen Vortrag, in dem er den folgenden Text vorstellte, den Zweig 1934 veröffentlicht hatte. Er stammt aus seinem Werk Triumph und Tragik des Erasmus von Rotterdam und liest sich wie für heute geschrieben. „Stefan Zweig über Erfolg in der Politik“ weiterlesen

Alte Sprachen neu entdecken

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Beitrag von MMag. Dr. Alexander Kraljic

Ausgestorbene Sprachen lernen? – Meist erntet man verständnisloses Kopfschütteln, wenn man erwähnt, dass man sich mit Hebräisch oder Aramäisch beschäftigt. „Hast du nichts Besseres zu tun?“, lautet dann fast vorwurfsvoll die Frage. „Latein und Griechisch, das ist ja noch einzusehen, da es zu unserem kulturellen Erbe gehört, aber orientalische Sprachen …? Wozu soll das denn gut sein?“ „Alte Sprachen neu entdecken“ weiterlesen

Dogmatik – Grammatik des christlichen Glaubens und Lebens

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Beitrag von Univ.-Prof. Dr. Roman A. Siebenrock

„Dogmatik“ – das klingt heute nicht wirklich gut. Als „dogmatisch“ werden Meinungen und Menschen charakterisiert, die sich auf bloße Behauptungen stützen und besserwisserisch der Pflicht zur Begründung ausweichen. Ist unsere Kirche noch zu retten, wenn sie das Dogma als Glaubensgrundlage verkündet und selbst der Theologische Kurs „Dogmatik“ als Kernfach hochhält? Ich gebe zu, dass ich mich nicht immer als „Dogmatiker“ vorstelle. „Systematische Theologie“, so nenne ich mein Fach. Nach innen hat sie als „Dogmatik“ die Glaubenseinsicht (intellectus fidei) zu kultivieren. Nach außen entwickelt sie als „Fundamentaltheologie“ eine zeitgemäße Glaubwürdigkeitsargumentation als Antwort auf Kritik, Einwand und Unverständnis; – und zwar mit den Mitteln der „reinen Vernunft“. Während nach außen keine Autorität (weder Schrift, Kirche noch Jesus Christus) vorausgesetzt werden kann, ist nach innen der Glauben der Kirche in Dogma, Liturgie und Frömmigkeit die vorausgesetzte Lebensform des systematischen Denkens. „Dogmatik – Grammatik des christlichen Glaubens und Lebens“ weiterlesen

Bin ich nicht würdig?

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„Herr, ich bin nicht würdig, dass Du eingehst unter mein Dach, aber sprich nur ein Wort, so wird meine Seele gesund.“ – Von Vielen gedankenlos gebetet, für Manche anstößig: Warum soll ich mich als „unwürdig“ sehen, klein und wertlos …? Sind die Zeiten nicht vorbei, in denen die Religion dazu benutzt wurde, Menschen abhängig und unmündig zu halten? Kann Gott nur groß sei, wenn der Mensch klein ist? „Bin ich nicht würdig?“ weiterlesen

Fundamentaltheologie. Verantwortung der christlichen Hoffnung

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Die Fundamentaltheologie ist für die TeilnehmerInnen des Theologischen Kurses zunächst einmal ein Fach, von dem sie zumeist noch nie zuvor gehört haben. Auf die Eingangsfrage „Was hätten Sie gestern geantwortet, wenn Sie jemand gefragt hätte, worum es in der ,Fundamentaltheologie‘ (die zumeist am Kursbeginn vorgetragen wird) gehen könnte?“ werden am häufigsten Assoziationen wie „Fundamente“, „Grundlagen“ oder – mit einem gewissen Schmunzeln – auch „Fundamentalismus“ genannt. Das Stichwort „Grundlagen“ klingt gut. Aber sind die Grundlagen der christlichen Rede von Gott nicht der persönliche bzw. überlieferte Glaube, die Bibel oder die existenzielle Erfahrung Gottes? Was könnten da abstrakte Reflexionen über „Grundlagen“ noch hinzufügen? In gewisser Weise steht mit der Frage, worum es in der Fundamentaltheologie geht, auch die allgemeinere Frage im Raum, wozu es überhaupt eine akademische Theologie braucht.

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Auf der Suche nach seinem Antlitz

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„Gott zu suchen“ ist die Aufgabe jedes religiösen Menschen. Ein Christ sucht Gott in der Bibel, in der Natur, in den Ereignissen des eigenen Lebens, in der christlichen Tradition, in der Liturgie oder einfach im stillen Gebet. Auf dieser Suche helfen auch viele Wegweiser: Gebetbücher, theologische und geistliche Literatur, geistliche Begleitung, Exerzitien oder die Stimme des eigenen Herzens. Das ist gut und richtig so, denn Jesus selbst ermutigt: „Sucht und ihr werdet finden.“ (Mt 7,7) Doch die jüdisch-christliche Tradition kennt auch die entgegengesetzte Bewegung, die in der persönlichen Spiritualität manchmal in Vergessenheit gerät. „Auf der Suche nach seinem Antlitz“ weiterlesen

Weihnachten für alle?

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Weihnachten ist seit dem 4. Jahrhundert in der Westkirche als Geburtsfest Jesu bekannt; im Osten des römischen Reiches hingegen gehört die Geburt Jesu zum Fest Erscheinung des Herrn (Epiphanie) am 6. Jänner. Beide Feste werden rasch populär, schärfen ihr Profil und werden bis heute gefeiert. Die Geburtsthematik verblieb beim Weihnachtsfest, während das Erscheinungsfest weitere Motive an sich gezogen hat: den Besuch der Sterndeuter aus dem Osten, die Taufe Jesu im Jordan und das Weinwunder bei der Hochzeit zu Kana: Sie offenbaren, dass Jesus von Anfang an „Sohn Gottes“ ist. „Weihnachten für alle?“ weiterlesen