In Stein gemeißelt? Die Glaubensbekenntnisse im Wandel der Zeit

© The Metropolitan Museum of Art

Nicht viele Texte der (Kirchen)Geschichte können eine ähnliche Karriere vorweisen: Die christlichen Glaubensbekenntnisse erfüllen seit jeher eine Vielzahl von Funktionen und gehören zu den faszinierendsten Dokumenten des Christentums: Sonntag für Sonntag werden sie im Gottesdienst gesprochen oder gesungen. Sie finden Verwendung im Katechumenat, bei der Taufe, in der Predigt, in Gebeten, im Exorzismus – und im Kampf gegen Häresien. In der Geschichte wird ihnen bisweilen sogar magische Wirkung zugeschrieben. Wie sind die christlichen Glaubensbekenntnisse erstanden, welche Funktionen erfüllten sie und welche Bedeutung können sie noch für heute entfalten? „In Stein gemeißelt? Die Glaubensbekenntnisse im Wandel der Zeit“ weiterlesen

Ist Beichten entwürdigend?

© Enslin, wiki commons

Ja, ich stimme zu: In (zu) vielen Fällen ist es wohl so gewesen. Selten hat ein „Mittel zum Heil“ über Generationen hinweg so viel Verzweiflung, Erniedrigung und geistlichen Schaden angerichtet wie das Sakrament der Versöhnung. Man ist versucht, mit all jenen Menschen aufzuatmen, die sich davon freigemacht haben, sich schuldig zu fühlen, wo sie keine Schuld trifft, sich Lebensfreude zu versagen oder (neues) Lebensglück schlechtreden zu lassen, sich für „Vergehen“ zu bezichtigen, die keine sind – und darüber ihre Erlösung und Heiligung in Christus beinahe ganz zu vergessen. „Ist Beichten entwürdigend?“ weiterlesen

Liturgiewissenschaft – Gottesdienste, die das Leben prägen

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„Eine schöne Hochzeit!“, „Erstkommunion ist die Gelegenheit, Menschen etwas Ansprechendes zu bieten, die sonst nie in die Kirche kommen.“, „Unser Pfarrer lässt sich nichts dreinreden.“, „So viele Rituale – nichts für die Jugend.“, „Die tägliche Messe ist mir schon wichtig.“ – Solche und viele andere Stimmen zur Gottesdienst­praxis der Kirche zeigen, wie unterschiedlich Liturgie erfahren, praktiziert und beurteilt wird. Das Spektrum der Wahrnehmung ist breit: Es reicht vom punktuellen (Ausnahme­‑)Ereignis bis zur täglichen Gewohnheit, vom festen Ritual zum spontanen Happening, von der Konsumation klerikaler Dienstleistungen zum existentiellen Lebensvollzug. Auch über Zweck und  Nutzen von Liturgie gehen die Meinungen auseinander: Erbauung, Belehrung, Sympathiewerbung, Gotteserfahrung, Gemeinschaftsgefühl …? „Liturgiewissenschaft – Gottesdienste, die das Leben prägen“ weiterlesen

Widersprüche in der Bibel?

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Wer einmal begonnen hat, sich eingehender und sorgfältiger mit biblischen Texten zu beschäftigen, wird immer wieder auf Widersprüche stoßen, die Fragen aufwerfen (hier zwei Beispiele, stellvertretend für viele andere: vgl. Ex 33,11 mit Ex 33,20 oder Apg 9,8 mit Apg 22,9). Waren die Verfasser der Texte unaufmerksam, oder waren es verschiedene Verfasser, die zu unterschiedlichen Zeiten schrieben und deren Texte dann nachträglich zusammengefügt wurden? „Widersprüche in der Bibel?“ weiterlesen

Kirchengeschichte: Eine Spurensuche Gottes in Raum und Zeit

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Beitrag von Dr. Michael Wagner

Ein Mensch schaut auf sein Leben zurück und erkennt im Rückblick zwei Spuren im Sand. So erzählt eine bei vielen Jubiläen verwendete Geschichte. Der springende Punkt: Die zweite Spur sei die Spur Gottes, der mitgeht.

Der Mensch lebt und hinterlässt seine Spuren – Weltgeschichte. Manchmal sind diese Spuren ziemlich eindeutig, oft sind sie aber auch verweht und verschüttet. ChristenInnen sind davon überzeugt, dass auch Gott sich in der Weltgeschichte offenbart und zeigt – auch wenn seine „Spuren“ nur schwer eindeutig identifizierbar sind. „Kirchengeschichte: Eine Spurensuche Gottes in Raum und Zeit“ weiterlesen

Der Grosse Wurf? Ein Traum zur Amazonassynode, zugleich ein Entwurf für das Nachsynodale Schreiben Spiritu Sancto ducti

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Beitrag von em. Univ.-Prof. Dr. Walter Kirchschläger (Luzern)

Vorbemerkung als Lesehilfe

Einen notwendigen „Sprung nach vorwärts“ (un balzo innanzi) hatte Johannes XXIII. in seiner Ansprache zur Eröffnung des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962) angedacht. Verschiedentlich wurde dazu angesetzt, immer wieder wurde er „gehemmt“ (Helmut Krätzl, 1998). Es blieb bei kosmetischen Retuschierungen, die umfassende Kirchen-Re-form fand bislang nicht statt. Mag sein, dass die pastorale Not im Amazonasgebiet den Anstoss dazu gibt, über den eigenen theologischen Schatten zu springen und einen Paradigmenwechsel einzuleiten? – eine Hoffnung, ein Traum … „Der Grosse Wurf? Ein Traum zur Amazonassynode, zugleich ein Entwurf für das Nachsynodale Schreiben Spiritu Sancto ducti“ weiterlesen

Antrieb der Befreiung oder Bremse der Modernisierung? Die Rolle der Kirche vor und nach der Wende von 1989

Solidarność-Platz in Danzig
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Vor 30 Jahren, am 9. November 1989 kam es zu einem Erdbeben, das den Eisernen Vorhang fallen ließ und den Aufbau eines neuen Europa ermöglichte. Mit dem Fall der Berliner Mauer hat sich die europäische Landschaft verändert, doch die Folgen der Trennung bleiben bis heute spürbar. Was war dabei die Rolle der Kirche und was sollte sie heute tun? War sie ein Antrieb der Befreiung? Ist sie eine Bremse der Modernisierung? „Antrieb der Befreiung oder Bremse der Modernisierung? Die Rolle der Kirche vor und nach der Wende von 1989“ weiterlesen

Neues Testament: Vielfalt und Reichtum der Offenbarung Gottes in Jesus Christus

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Beitrag von ao. Univ.-Prof. Dr. Martin Stowasser

Die christliche Tradition sieht die Offenbarung Gottes durch sein Heilshandeln in Jesus Christus bestimmt. Person und Werk Jesu Christi offenbaren den Vater, wie das Johannesevangelium zu Beginn formuliert: „Niemand hat Gott je gesehen. Der Einzige, der Gott ist und am Herzen des Vaters ruht, er hat Kunde gebracht.“ (Joh 1,18) Das Fach „Neues Testament“ beschäftigt sich im Konzert der theologischen Disziplinen mit jenen 27 Schriften der Bibel, die auf einzigartige Weise Zeugnis geben von dieser Offenbarung Gottes in Jesus Christus. „Neues Testament: Vielfalt und Reichtum der Offenbarung Gottes in Jesus Christus“ weiterlesen

Im Wald besser beten?

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„Wenn ich allein bin, kann ich besser beten als mit anderen, deshalb gehe ich nicht in die Kirche.“ – Bestimmt können viele Menschen dieser Feststellung einiges abgewinnen, wenn auch sie erleben, dass in der Einsamkeit die persönliche Begegnung mit Gott besser und intensiver gelingt als „in der Kirche“. Ungestört von der Welt, ungestört von anderen.

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Die Macht der Sprache

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Zum neuen Programm in der AKADEMIE am DOM 2019/20

„Niemand holt sein Wort wieder ein.“ (Wilhelm Busch) Ob Liebesgeflüster, Rufmord oder Tabuworte – einmal in die Welt gesetzt, zeigen Worte Wirkung, entfaltet Sprache Macht, ja, entfacht mitunter sogar Gewalt. Zugleich wirkt Sprache nach innen, sie bestimmt die Wahrnehmung der Welt und unser Bewusstsein. Die AKADEMIE am DOM befasst sich im Studienjahr 2019/20 mit bemerkenswerten Aspekten von Sprache. „Die Macht der Sprache“ weiterlesen