Der katholische Elefant in Zeiten der Pandemie

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Beitrag von Dr. Piotr Kubasiak für die Guardini Stiftung e.V.

Der im Dezember 2019 verstorbene Theologe Johann Baptist Metz prägte das Bild eines katholischen Elefanten, „der sich schon vom Bild her schwerlich in eine Nische sperren lässt und der in seinem veritablen Umfang immerhin schon über viele Epochenschwellen hinweggezogen ist – meist schweren, schleppenden Schritts und nicht selten eben auch wie der Elefant im Porzellanladen“. Den schleppenden Schritt hat der Kabarettist Helmut Schleich auf den Punkt gebracht, als er Benedikt XVI. in den Mund legte: „Erst kürzlich haben wir zugegeben, dass wir geirrt haben. Die Erde ist keine Scheibe. Galileo Galilei hatte Recht. Das muss man schonungslos aussprechen, auch wenn es schmerzen mag.“ Trotz der satirischen Übertreibung ist unbestritten, dass der katholische Elefant auch heute in vielen Punkten unzeitgemäß wirkt und sich dies nicht nur auf die Unzeitgemäßheit des Evangeliums schieben lässt. „Der katholische Elefant in Zeiten der Pandemie“ weiterlesen

„Wandlung“ und „Verbuntung“ der Religion

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Der katholische Theologe und Religionssoziologe Paul Michael Zulehner hat – unter dem Titel „Wandlung“ – eine neue Studie vorgelegt. Seit 50 Jahren erforscht er die Religion der Österreicherinnen und Österreicher. Sein Befund: Die Gesellschaft wird nicht säkularer, sondern bunter. Menschen würden sich ihren eigenen religiösen Kosmos basteln, mit den jeweils dazu passenden Jenseits- und Gottesvorstellungen. „„Wandlung“ und „Verbuntung“ der Religion“ weiterlesen

Nachdenklichkeit – Keine Nähe zu Verschwörungstheorien

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Hochrangige Kirchenvertreter mit Erzbischof Viganos und Kardinal Müllers an der Spitze rufen zum Kampf: Sie identifizieren die staatlichen Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie als Verschwörung der Mächtigen dieser Welt („Mächte der Finsternis“), sparen nicht mit unsäglichen Unterstellungen und reklamieren als „Grundrecht, das der Herr Jesus Christus ihr gegeben hat“ die Aufhebung der Beschränkung für gottesdienstliche Versammlungen.

Ich wurde gefragt, ob ich mich mit meinen kritischen Corona-Rückfragen an die Kirchenleitung in Österreich (Blog-Beitrag vom 8.5.20) nicht in der Nähe dieser Verschwörungstheorie bewege: „Nachdenklichkeit – Keine Nähe zu Verschwörungstheorien“ weiterlesen

Schmerzfrei

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Ein Kommentar von Daniel Deckers

Auch für die Angehörigen der großen und kleinen Religionsgemeinschaften weltweit ist in diesen Tagen nichts mehr so, wie es seit Menschengedenken war und auch nicht anders gedacht werden konnte. Sportereignisse, wissenschaftliche Kongresse oder kulturelle Ereignisse, die der (Re-)Produktion sinnstiftender gesellschaftlicher Ordnungen dienen, lassen sich aufschieben. Die höchsten Feiertage wie Pessach, die Kar- und Ostertage der Christenheit und bald der islamische Fastenmonat Ramadan finden statt – doch das in einer Weise, von der Verächter der Religion immer geträumt hatten. „Schmerzfrei“ weiterlesen

Gott will das Heil der Menschen. Über Solidarität, Achtung und unaufgeregte Religiosität

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Beitrag von Univ.-Prof. DDr. Reinhold Esterbauer

Das Bestreben, alles im Griff zu haben, ist zugleich der Versuch, sich gegen alles zu schützen, was eine Gefahr bedeuten könnte. Wie das Coronavirus zeigt, ist eine Bedrohung bisweilen nicht einmal eingrenzbar, sondern kann die ganze Welt erfassen, ohne dass Gegenmaßnahmen zur Verfügung stünden, um das Übel nachhaltig einzudämmen. „Gott will das Heil der Menschen. Über Solidarität, Achtung und unaufgeregte Religiosität“ weiterlesen

Schöpfung in der Bibel – ein Aufschrei gegen das Leid

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Beitrag von Dr. Elisabeth Birnbaum für feinschwarz.net

Angesichts des Coronavirus‘ verändert sich vieles. Das Ungewisse, Unvorhersehbare macht Angst. Die Ereignisse überfordern, lassen rat- und hilflos zurück. Leid-Erfahrungen wie diese erzeugen vor allem eines: die Sehnsucht nach einer besseren, durchschaubaren, geordneten Welt. Die biblische Schöpfung ist so eine geordnete Welt, entworfen als Aufschrei gegen das Leid. „Schöpfung in der Bibel – ein Aufschrei gegen das Leid“ weiterlesen

Moraltheologie (Theologische Ethik) – Eine Antwortsuche auf brennende Fragen

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Beitrag von Univ.-Prof. Dr. Angelika Walser

Nach meinem letzten Vortrag bei den THEOLOGISCHEN KURSEN zum Thema „Menschenwürdig sterben“ im März 2013 bin vermutlich nicht nur ich, sondern auch die Teilnehmerinnen und Teilnehmer erschöpft nach Hause gegangen. „Und morgen Mittag bin ich tot“[1] – so lautete der Titel eines deutschen Spielfilms (2013), den wir nach meinem Vortrag über unterschiedliche Konzeptionen von Menschenwürde gemeinsam angeschaut und diskutiert haben: In diesem 2013 erschienen Film geht es um eine junge Frau, die an Mukoviszidose, einer unheilbaren Stoffwechselerkrankung, leidet. Weil schon ihr Bruder an dieser Krankheit verstorben ist und ihre Erstickungsanfälle immer qualvoller werden, beschließt sie, in die Schweiz zu reisen und sich dort durch assistierten Suizid von ihrem Leiden erlösen zu lassen. Sie lädt ihre Familie und ihren Jugendfreund zu einem letzten Geburtstagsfest ein … „Moraltheologie (Theologische Ethik) – Eine Antwortsuche auf brennende Fragen“ weiterlesen

Stefan Zweig über Erfolg in der Politik

Stefan Zweig
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Am 29. Jänner 2020 hielt Dr. Arturo Larcati, der Leiter des Stefan Zweig Zentrums der Universität Salzburg bei der AKADEMIE am DOM einen Vortrag, in dem er den folgenden Text vorstellte, den Zweig 1934 veröffentlicht hatte. Er stammt aus seinem Werk Triumph und Tragik des Erasmus von Rotterdam und liest sich wie für heute geschrieben. „Stefan Zweig über Erfolg in der Politik“ weiterlesen

Der Grosse Wurf? Ein Traum zur Amazonassynode, zugleich ein Entwurf für das Nachsynodale Schreiben Spiritu Sancto ducti

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Beitrag von em. Univ.-Prof. Dr. Walter Kirchschläger (Luzern)

Vorbemerkung als Lesehilfe

Einen notwendigen „Sprung nach vorwärts“ (un balzo innanzi) hatte Johannes XXIII. in seiner Ansprache zur Eröffnung des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962) angedacht. Verschiedentlich wurde dazu angesetzt, immer wieder wurde er „gehemmt“ (Helmut Krätzl, 1998). Es blieb bei kosmetischen Retuschierungen, die umfassende Kirchen-Re-form fand bislang nicht statt. Mag sein, dass die pastorale Not im Amazonasgebiet den Anstoss dazu gibt, über den eigenen theologischen Schatten zu springen und einen Paradigmenwechsel einzuleiten? – eine Hoffnung, ein Traum … „Der Grosse Wurf? Ein Traum zur Amazonassynode, zugleich ein Entwurf für das Nachsynodale Schreiben Spiritu Sancto ducti“ weiterlesen