Schöpfer und Lebensspender

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„Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde …“ Mit diesen Worten beginnt die Bibel. Am Anfang gab es nichts, dann machte sich Gott an die Arbeit und es begann ein Spektakel: Es knallte Licht in die Dunkelheit, Himmel und Erde trennten sich, die Erde wurde bepflanzt und die Gewässer füllten sich mit Lebewesen, und schließlich brachte Gott sein Abbild – den Menschen – hervor. Auch eine Hollywood-Produktion wie der Film „Noah“ verkneift sich nicht, diese Geschichte beim Abendessen auf der Arche einzuspielen, mit allen Effekten der modernen Filmkunst. Es ist möglicherweise die biblische Geschichte schlechthin, mit der vermutlich jedes jüdische oder christliche Kind aufwächst. Eine wunderschöne Erzählung, die erst in eine Krise geriet, als man sie mit einer historischen Beschreibung verwechselte und zu wissen glaubte, dass Gott tatsächlich sechs Tage gewerkelt habe und diese Beschreibung jede Erkenntnis der Naturwissenschaft erübrige.

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Auferstehung: Hoffnung aus dem Nichts

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Als sie Paulus von der Auferstehung der Toten sprechen hören, brechen die Philosophen in Athen in Gelächter aus und gehen. So erzählt es die Apostelgeschichte (17,32). „Darüber wollen wir dich ein andermal hören.“ Tatsächlich gibt es bei der Auferstehung wenig zu verstehen, wenn man allein mit der Vernunft an die Sache herangeht. Was interessiert also den Paulus, der Jesus gar nicht selbst gekannt hat, an dem frühen christlichen Bekenntnis, dass der, der gestorben ist und tot war, nun nicht dort zu finden ist, wo die Toten eigentlich sind: im Grab? Was besagt der Ruf „Jesus lebt“ mehr als bloß eine durchaus erfreuliche, jedoch irgendwie wundersame und für die griechischen Philosophen so unplausible Geschichte, dass ein Toter auferstanden ist? Geht es bloß um einen Toten weniger? „Auferstehung: Hoffnung aus dem Nichts“ weiterlesen

Karsamstag: Der Tag des vermissten Gottes

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Warum schweigt Gott? Es ist eine der bittersten Fragen eines glaubenden Menschen: Es bricht ein Unheil über mich, meine Familie oder, wie wir das gerade erleben, über die ganze Welt herein – und Gott schweigt. „Aus den Tiefen, rufe ich, Herr, zu dir“ (Ps 130,1) und – man könnte fortschreiben – Du schweigst. Gott erinnert so oft eher an den „unbewegten Beweger“ als an den „guten Hirten“. Der Glaube von so vielen ist an diesem Schweigen zerbrochen – und dies verständlicherweise, war ihr Gebet doch oft der letzte Hoffnungsschrei, der nicht erhört wurde. Und wenn das Schweigen in Grenzsituationen den Glauben auch nicht zerbricht, weckt es zumindest Zweifel. „Karsamstag: Der Tag des vermissten Gottes“ weiterlesen

Warum das Kreuz?

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Das Kreuz Jesu – Mitte des christlichen Glaubens und zugleich Skandal: Braucht Gott Opfer? Fordert Gott das Blut seines Sohnes? Bereits Friedrich Nietzsche erkannte hellsichtig: „Gott gab seinen Sohn zur Vergebung der Sünden, als Opfer. Wie war es mit Einem Male zu Ende mit dem Evangelium! Das Schuldopfer, … das Opfer des Unschuldigen für die Sünden der Schuldigen! Welches schauderhafte Heidenthum!“ (Der Antichrist, 1895) Nietzsche erkannte den Widerspruch zwischen dem „Evangelium“ vom bedingungslosen Verzeihen, das Jesus lebte, und der scheinbaren Notwendigkeit eines blutigen Opfers am Kreuz, um Gott wieder gnädig zu stimmen. „Warum das Kreuz?“ weiterlesen

Zwischen Würde und Nutzwert: die Diskussion um den Eigenwert von Tieren (Tierethik T. 5)

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Beitrag von Prof. Dr. Martin M. Lintner OSM für praefaktisch.de

Bei Interviews oder Diskussionen über tierethische Fragen wird oft folgende Frage gestellt: „Unsere Haustiere lieben und verhätscheln wir und geben jede Menge Geld aus, damit es ihnen gutgeht. Aber wie unsere Nutztiere aufwachsen und leben, darüber machen wir uns weitgehend keine Gedanken. Ihre Haltungs- und Schlachtungsbedingungen werden weitgehend nach dem ökonomischen Nutzenkalkül ausgerichtet, das Wohlergehen und die Gesundheit eines Tieres spielen maximal eine nur untergeordnete Rolle. Ist das nicht ein Widerspruch?“ „Zwischen Würde und Nutzwert: die Diskussion um den Eigenwert von Tieren (Tierethik T. 5)“ weiterlesen

„Eine Mücke ist kein Elefant.“ Eine differenzierte Betrachtung der Tierwürde (Tierethik T. 4)

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Beitrag von Prof. Dr. Martin M. Lintner OSM

„Das Tier“ gibt es nicht. Tiere unterscheiden sich durch artspezifische und individuelle Merkmale, Bedürfnisse und Fähigkeiten. Diese wahr- und ernstzunehmen, ermöglicht eine differenzierte tierethische Zugangsweise. „„Eine Mücke ist kein Elefant.“ Eine differenzierte Betrachtung der Tierwürde (Tierethik T. 4)“ weiterlesen

„Ein guter Mensch kümmert sich um das Wohl seiner Tiere!“ (Spr 12,10) (Tierethik T. 2)

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Beitrag von Prof. Dr. Martin M. Lintner OSM

Dem Christentum wird oft vorgeworfen, es würde den Tieren und den tierethischen Anliegen zu wenig Beachtung schenken. In der Tat ist dieser Vorwurf der Tiervergessenheit nicht ganz von der Hand zu weisen. Bis heute hinkt die Kirche in tierethischen Belangen dem biblischen Erbe und Anspruch hinterher. Papst Franziskus hat in der Umweltenzyklika Laudato si’ (2015) diesbezüglich eine wichtige Kurskorrektur vorgenommen und neue Akzente gesetzt. Er kritisiert die jahrhundertelang vorherrschende anthropozentrische Perspektive, die die Tiere auf ihren instrumentellen Nutzen oder auf eine technisch-ökonomische Rationalität reduziert. Er lehnt sie als eine despotische und fehlgeleitete Weltsicht ab, die den Menschen und seine Bedürfnisse absolut setzt. Wiederholt spricht er vom „Eigenwert“, den jedes Lebewesen besitzt und den es anzuerkennen gilt. „„Ein guter Mensch kümmert sich um das Wohl seiner Tiere!“ (Spr 12,10) (Tierethik T. 2)“ weiterlesen