„Einen wunderbaren Tausch hast du vollzogen…“ Notizen zur Feier von Weihnachten und Epiphanie

„Dein göttliches Wort wurde ein sterblicher Mensch, und wir sterbliche Menschen empfan­gen in Christus dein göttliches Leben.“ Mit diesen Worten beschreibt die dritte Präfation von Weih­nachten den Inhalt des Weihnachtsfestes: Ein wundersamer, ja paradoxer Tausch findet statt,  ein Tauschhandel (lat. commer­cium), bei dem die reich werden, die nicht zahlen können!

„Er, der reich war, wurde euretwegen arm“ (2 Kor 8,9)

Seit etwa dem 4. Jh. feiert die weströmische Kirche am 25. Dezember die Geburt Jesu Christi. Dabei geht es weniger um die historischen Umstände als um die Heilsbedeutung des Gescheh­­ens: Grund zu feiern haben die, deren Erlösung und Erhöhung sich in der Ent­äuße­rung des „einzigen Sohnes“ (vgl. Joh 1,18) ankündigt und vollzieht: „Erkenne, o Christ, deine Würde! Kehre nicht, nachdem du der göttlichen Natur teilhaftig geworden … zur alten Niedrig­keit zurück! Denke daran, welchen Hauptes, welchen Leibes Glied du bist! … Unterwirf dich nicht wieder der Knechtschaft Satans, denn der Preis für deine Freiheit ist das Blut Christi.“ So predigte Leo d. Gr. († 461) in der Weihnachtsvigil. Das Myste­rium der Mensch­werdung – „Das Wort ist Fleisch geworden“ (Joh 1,14) – ist also kein anderes als das in der Taufe geschenk­te Mysterium der Erlösung: „Er hat den, der keine Sünde kannte, für uns zur Sünde gemacht, damit wir in ihm Gerechtigkeit Gottes würden.“ (2 Kor 5,21). Ein wahrlich wunder­barer Tausch! Denn bei diesem Handel „bezahlt der Herre, der Gerechte, für seine Knechte.“ (GL 180,4)

Die Geburt Jesu: Anfang der Erlösung

Im Jerusalem des 4./5. Jhs. feierte man die Geburt Christi als seine „Epiphanie“ (gr.: Erschei­nung) in der Welt „passend zu Zeit und Ort“: Am 5. Jänner nachmittags versammelten sich die Gläubigen zunächst zu einem Wortgot­tes­­­dienst auf freiem Feld (Lk  2,8–20, Verehrung durch die Hirten); anschließend zog man in die Krypta der Ge­burts­basilika und las dort das Evange­lium von der Geburt Jesu (Mt 1,18–25). In der ausge­dehn­ten nächtlichen Feier von 5. auf 6. Jänner wurden dann ähnliche Lesungen wie in der Oster­vigil vorgetragen: Schöpfungs­geschich­te, Rettung am Schilfmeer, drei Jünglinge im Feuer­ofen. Bei der Eucharistiefeier in der Grabes­kirche (Anastasis) am 6. Jänner stand nochmals die matthäi­sche Geburts­erzählung im Mittel­punkt.

Christus, der Bevollmächtigte Gottes

Unter dem Einfluss der römischen Liturgie, die am 25. Dezember das Kommen des Wortes Gottes „ins Fleisch“ (Inkarnation) beging, wanderte im 6. Jh. das Thema „Geburt“ auch in der ostkirchlichen Liturgie auf diesen Tag, der bis dahin dem Gedächtnis der Patriarchen Jakob und David gewidmet war. Der 6. Jänner aber zog als Festinhalte jene drei Wunder (lat.: tria miracula) an sich, in denen Jesus vor der Welt als der endzeitliche und von Gott beglaubigte Heils­­bringer offen­bar wurde: Jesu Taufe im Jordan (Mk 1,9–11 parr), die Anbetung des Kindes durch die Sterndeuter (Mt 2,1–12) und Jesu erstes Zeichen bei die Hochzeit zu Kana (Joh 2,1–12).

Krippe und Kreuz

In der römischen Liturgie setzte sich davon – außer im Stundengebet – nur das „Dreikönigsfest“ durch: eine popu­läre theologiearme Variante der Anbe­tung der Magier, die leicht vergessen lässt, dass diese Weisen aus dem Osten unsere Vorfahren im Glauben sind: Wie sie stammen auch wir nicht aus dem Hause Israel und sind angewie­sen auf das „Licht, das die Heiden erleuchtet“ (Lk 2,32). Wie sie das Kind in der Krippe zu verehren, führt direkt in das Atem beraubende Geheim­nis der Erlö­­sung der ganzen Schöpfung: „Entäußert sich all seiner Gewalt, wird niedrig und gering und nimmt an eines Knechts Gestalt, der Schöpfer aller Ding.“ (vgl. Phil 2,6–8; GL 134,3). Doch endet hier weder das Lied noch die Heils­geschichte, denn erst im Lei­den, Sterben und Auf­er­stehen Christi hat sich erfüllt, was wir in der Weihnacht singen: „Heut’ schließt er wieder auf die Tür zum schönen Paradeis … ihm sei Lob, Ehr und Preis.“ (GL 134,4). (4012)

Erstveröffentlichung: Schottenzeitung 2007.

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