Fundamentaltheologie. Verantwortung der christlichen Hoffnung

© Joshua Sortino on Unsplash

Die Fundamentaltheologie ist für die TeilnehmerInnen des Theologischen Kurses zunächst einmal ein Fach, von dem sie zumeist noch nie zuvor gehört haben. Auf die Eingangsfrage „Was hätten Sie gestern geantwortet, wenn Sie jemand gefragt hätte, worum es in der ,Fundamentaltheologie‘ (die zumeist am Kursbeginn vorgetragen wird) gehen könnte?“ werden am häufigsten Assoziationen wie „Fundamente“, „Grundlagen“ oder – mit einem gewissen Schmunzeln – auch „Fundamentalismus“ genannt. Das Stichwort „Grundlagen“ klingt gut. Aber sind die Grundlagen der christlichen Rede von Gott nicht der persönliche bzw. überlieferte Glaube, die Bibel oder die existenzielle Erfahrung Gottes? Was könnten da abstrakte Reflexionen über „Grundlagen“ noch hinzufügen? In gewisser Weise steht mit der Frage, worum es in der Fundamentaltheologie geht, auch die allgemeinere Frage im Raum, wozu es überhaupt eine akademische Theologie braucht.

„Fundamentaltheologie. Verantwortung der christlichen Hoffnung“ weiterlesen

Auf der Suche nach seinem Antlitz

© gemeinfrei, wiki commons

„Gott zu suchen“ ist die Aufgabe jedes religiösen Menschen. Ein Christ sucht Gott in der Bibel, in der Natur, in den Ereignissen des eigenen Lebens, in der christlichen Tradition, in der Liturgie oder einfach im stillen Gebet. Auf dieser Suche helfen auch viele Wegweiser: Gebetbücher, theologische und geistliche Literatur, geistliche Begleitung, Exerzitien oder die Stimme des eigenen Herzens. Das ist gut und richtig so, denn Jesus selbst ermutigt: „Sucht und ihr werdet finden.“ (Mt 7,7) Doch die jüdisch-christliche Tradition kennt auch die entgegengesetzte Bewegung, die in der persönlichen Spiritualität manchmal in Vergessenheit gerät. „Auf der Suche nach seinem Antlitz“ weiterlesen

Weihnachten für alle?

© annca auf pixabay

Weihnachten ist seit dem 4. Jahrhundert in der Westkirche als Geburtsfest Jesu bekannt; im Osten des römischen Reiches hingegen gehört die Geburt Jesu zum Fest Erscheinung des Herrn (Epiphanie) am 6. Jänner. Beide Feste werden rasch populär, schärfen ihr Profil und werden bis heute gefeiert. Die Geburtsthematik verblieb beim Weihnachtsfest, während das Erscheinungsfest weitere Motive an sich gezogen hat: den Besuch der Sterndeuter aus dem Osten, die Taufe Jesu im Jordan und das Weinwunder bei der Hochzeit zu Kana: Sie offenbaren, dass Jesus von Anfang an „Sohn Gottes“ ist. „Weihnachten für alle?“ weiterlesen

„Einen wunderbaren Tausch hast du vollzogen…“ Notizen zur Feier von Weihnachten und Epiphanie

© Erhard Lesacher

„Dein göttliches Wort wurde ein sterblicher Mensch, und wir sterbliche Menschen empfan­gen in Christus dein göttliches Leben.“ Mit diesen Worten beschreibt die dritte Präfation von Weih­nachten den Inhalt des Weihnachtsfestes: Ein wundersamer, ja paradoxer Tausch findet statt,  ein Tauschhandel (lat. commer­cium), bei dem die reich werden, die nicht zahlen können! „„Einen wunderbaren Tausch hast du vollzogen…“ Notizen zur Feier von Weihnachten und Epiphanie“ weiterlesen

Larry Hurtado (1943-2019)

© Johannes Plenio on Unsplash

Immer wieder habe ich mich in den letzten Jahren ausdrücklich auf ihn berufen – nun ist dieser große Wissenschaftler seinem Krebsleiden erlegen.

Im Jahr 2010 startet Larry Hurtado seinen Blog mit dem Thema „Comments on the New Testament and Early Christianity (and related matters)“ und es gelang ihm zu diesen Themen bis Oktober 2019 mehr als Zwei Millionen Seitenaufrufe zu generieren. Der letzte Eintrag des Blogs datiert vom 17. November 2019. Etwas mehr als eine Woche später ist Professor Hurtado am 25. November gestorben. „Larry Hurtado (1943-2019)“ weiterlesen

In Stein gemeißelt? Die Glaubensbekenntnisse im Wandel der Zeit

© The Metropolitan Museum of Art

Nicht viele Texte der (Kirchen)Geschichte können eine ähnliche Karriere vorweisen: Die christlichen Glaubensbekenntnisse erfüllen seit jeher eine Vielzahl von Funktionen und gehören zu den faszinierendsten Dokumenten des Christentums: Sonntag für Sonntag werden sie im Gottesdienst gesprochen oder gesungen. Sie finden Verwendung im Katechumenat, bei der Taufe, in der Predigt, in Gebeten, im Exorzismus – und im Kampf gegen Häresien. In der Geschichte wird ihnen bisweilen sogar magische Wirkung zugeschrieben. Wie sind die christlichen Glaubensbekenntnisse erstanden, welche Funktionen erfüllten sie und welche Bedeutung können sie noch für heute entfalten? „In Stein gemeißelt? Die Glaubensbekenntnisse im Wandel der Zeit“ weiterlesen

Ist Beichten entwürdigend?

© Enslin, wiki commons

Ja, ich stimme zu: In (zu) vielen Fällen ist es wohl so gewesen. Selten hat ein „Mittel zum Heil“ über Generationen hinweg so viel Verzweiflung, Erniedrigung und geistlichen Schaden angerichtet wie das Sakrament der Versöhnung. Man ist versucht, mit all jenen Menschen aufzuatmen, die sich davon freigemacht haben, sich schuldig zu fühlen, wo sie keine Schuld trifft, sich Lebensfreude zu versagen oder (neues) Lebensglück schlechtreden zu lassen, sich für „Vergehen“ zu bezichtigen, die keine sind – und darüber ihre Erlösung und Heiligung in Christus beinahe ganz zu vergessen. „Ist Beichten entwürdigend?“ weiterlesen

Liturgiewissenschaft – Gottesdienste, die das Leben prägen

© Grant Whitty on Unsplash

„Eine schöne Hochzeit!“, „Erstkommunion ist die Gelegenheit, Menschen etwas Ansprechendes zu bieten, die sonst nie in die Kirche kommen.“, „Unser Pfarrer lässt sich nichts dreinreden.“, „So viele Rituale – nichts für die Jugend.“, „Die tägliche Messe ist mir schon wichtig.“ – Solche und viele andere Stimmen zur Gottesdienst­praxis der Kirche zeigen, wie unterschiedlich Liturgie erfahren, praktiziert und beurteilt wird. Das Spektrum der Wahrnehmung ist breit: Es reicht vom punktuellen (Ausnahme­‑)Ereignis bis zur täglichen Gewohnheit, vom festen Ritual zum spontanen Happening, von der Konsumation klerikaler Dienstleistungen zum existentiellen Lebensvollzug. Auch über Zweck und  Nutzen von Liturgie gehen die Meinungen auseinander: Erbauung, Belehrung, Sympathiewerbung, Gotteserfahrung, Gemeinschaftsgefühl …? „Liturgiewissenschaft – Gottesdienste, die das Leben prägen“ weiterlesen

Kirchengeschichte: Eine Spurensuche Gottes in Raum und Zeit

© Samuel Zeller on Unsplash

Beitrag von Dr. Michael Wagner

Ein Mensch schaut auf sein Leben zurück und erkennt im Rückblick zwei Spuren im Sand. So erzählt eine bei vielen Jubiläen verwendete Geschichte. Der springende Punkt: Die zweite Spur sei die Spur Gottes, der mitgeht.

Der Mensch lebt und hinterlässt seine Spuren – Weltgeschichte. Manchmal sind diese Spuren ziemlich eindeutig, oft sind sie aber auch verweht und verschüttet. ChristenInnen sind davon überzeugt, dass auch Gott sich in der Weltgeschichte offenbart und zeigt – auch wenn seine „Spuren“ nur schwer eindeutig identifizierbar sind. „Kirchengeschichte: Eine Spurensuche Gottes in Raum und Zeit“ weiterlesen

Neues Testament: Vielfalt und Reichtum der Offenbarung Gottes in Jesus Christus

© Photo by Aaron Burden on Unsplash

Beitrag von ao. Univ.-Prof. Dr. Martin Stowasser

Die christliche Tradition sieht die Offenbarung Gottes durch sein Heilshandeln in Jesus Christus bestimmt. Person und Werk Jesu Christi offenbaren den Vater, wie das Johannesevangelium zu Beginn formuliert: „Niemand hat Gott je gesehen. Der Einzige, der Gott ist und am Herzen des Vaters ruht, er hat Kunde gebracht.“ (Joh 1,18) Das Fach „Neues Testament“ beschäftigt sich im Konzert der theologischen Disziplinen mit jenen 27 Schriften der Bibel, die auf einzigartige Weise Zeugnis geben von dieser Offenbarung Gottes in Jesus Christus. „Neues Testament: Vielfalt und Reichtum der Offenbarung Gottes in Jesus Christus“ weiterlesen