„Alles an dir ist schön, und schön ist deine Liebe.“ Das Ringen um eine neue Sprache in der Sexualmoral: nur eine Frage der Rhetorik?

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Beitrag von Prof. Dr. Martin M. Lintner OSM

1. Die „außerordentliche Schönheit der menschlichen Liebe und des Ehebandes“

Das Vorbereitungsdokument für die im Oktober 2014 geplante dritte außerordentliche Bischofssynode „Die pastoralen Herausforderungen der Familie im Kontext der Evangelisierung“[1] fasst die kirchliche Lehre über Ehe und Familie zusammen und ruft ihre biblischen und heilsgeschichtlichen Grundlagen in Erinnerung. Es spricht u. a. von der „außerordentlichen Schönheit der menschlichen Liebe, die bereits mit inspirierten Zügen im Hohenlied gefeiert wird“, und des „Ehebandes, das von Propheten wie Hosea (cf. Hos 1,2-3,3) und Maleachi (cf. Mal 2,13-16) gefordert und verteidigt“ wird. Durch diese außerordentliche Schönheit der menschlichen Liebe und des Ehebandes „hat Jesus die ursprüngliche Würde der Liebe des Mannes und der Frau bekräftigt“. „„Alles an dir ist schön, und schön ist deine Liebe.“ Das Ringen um eine neue Sprache in der Sexualmoral: nur eine Frage der Rhetorik?“ weiterlesen

Von der Vergänglichkeit alles Irdischen im Koheletbuch

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Beitrag von Ao. Univ.-Prof. Dr. Andreas Vonach / Universität Innsbruck

Den berühmten Mottovers des Buches Kohelet hebel habalim amar kohelet, hebel habalim, hakol hebel (hebr.) hat Martin Luther in seiner ersten Version der Lutherbibel wiedergegeben mit: Eitelkeit der Eitelkeiten … es ist alles eitel. Im deutschen Sprachverständnis des 16. Jahrhunderts hatte „eitel“ eine andere Bedeutung als heute und meinte soviel wie „verdorben, ungenießbar, unbrauchbar, leer, nichtig, …“. Einem solchen Verständnis entsprechen allerdings auch bereits die griechische und die lateinische Texttradition mit ihren Wiedergaben mataiotes bzw. vanitas. Dahinter steht die Grundprämisse, dass das Koheletbuch von einer negativen, pessimistischen, ja gar nihilistischen Weltsicht geprägt sei, eine Vorannahme, der auch heute noch zahlreiche Exegetinnen und Exegeten folgen.[1] „Von der Vergänglichkeit alles Irdischen im Koheletbuch“ weiterlesen

Religionswissenschaft: Eine empirisch-kritische Rekonstruktion religiöser Traditionen

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Beitrag von Univ.-Prof. DDr. Franz Gmainer-Pranzl

Wie sich immer wieder zeigt, erfreut sich das Fach und Themenfeld Religionswissenschaft, also die Auseinandersetzung mit anderen Religionen, eines regen Interesses, sodass dieses Fach als „selbstverständlicher“ Teil des Theologischen Kurses erscheint. Weniger selbstverständlich ist hingegen, worin das Charakteristische einer religionswissenschaftlichen Auseinandersetzung besteht. „Religionswissenschaft: Eine empirisch-kritische Rekonstruktion religiöser Traditionen“ weiterlesen

„Ohne Eros keine Liebe.“ Der Blick auf die Erotik in Amoris Laetitia

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Beitrag von Prof. Dr. Martin M. Lintner OSM

Dass es Eros und erotische Liebe in der Tradition der christlichen Sexualmoral nicht leicht gehabt haben, ist hinlänglich bekannt. Noch in der Neuzeit wurde der Eros als begehrendes, besitzergreifendes Streben verstanden, das sich nur schwer mit der sich verschenkenden und hingebenden Liebe versöhnen lässt. „„Ohne Eros keine Liebe.“ Der Blick auf die Erotik in Amoris Laetitia“ weiterlesen

Dürfen wir als Christen guten Gewissens Fleisch essen?

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Beitrag von Prof. Dr. Martin M. Lintner OSM für katholisch.de

Wie viel soll Fleisch kosten? Wie viel dürfen wir essen? Können wir überhaupt noch guten Gewissens Fleisch essen? Und was sagt die Bibel dazu? Das sind angesichts einer wachsenden Sensibilität für das Tierwohl in der Landwirtschaft brisante Fragen. Es sind angesichts der globalen Klimaveränderung, zu der die Treibhausgasemissionen in der intensiven Landwirtschaft und Nutztierhaltung entscheidend beitragen, aber auch brennende ökologische und politische Fragen.

„Dürfen wir als Christen guten Gewissens Fleisch essen?“ weiterlesen

Philosophie. Fragen nach dem Ganzen und dem Grund

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Beitrag von Univ.-Prof. DDr. Reinhold Esterbauer

Um den Unterschied zwischen Philosophie und Theologie zu verdeutlichen, wird gerne das folgende Gleichnis erzählt, in dem die beiden Disziplinen allegorisch als Personen auftreten: Die Philosophie – so wird gesagt – gleiche einer Frau, die in einem völlig abgedunkelten Saal nach einem Raben hascht, indem sie sich wie ziellos durch den Raum bewegt und immer wieder ihre Handflächen aufeinanderschlägt, um den Vogel zu erfassen – allerdings erfolglos. Die Theologie hingegen gleiche einer Frau, die in einer Ecke desselben lichtlosen Zimmers sitzt, die Hände faltet und meint, sie halte den Raben schon zwischen den Händen fest.

An diesem Gleichnis – auch wenn es ungerechterweise die Theologie nicht gut wegkommen lässt – können einige Charakteristika aufgezeigt werden, die die Philosophie im Rahmen des Theologischen Kurses auszeichnen. „Philosophie. Fragen nach dem Ganzen und dem Grund“ weiterlesen

Kirchenrecht. Eine verbindliche „Gesellschaftsordnung“ für die Gemeinschaft der Glaubenden

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Beitrag von Dr. Ernst Pucher

Nach einem öfters zitierten Wort von Thomas von Aquin ist Gerechtigkeit ohne Barmherzigkeit grausam, Barmherzigkeit  ohne Gerechtigkeit die Mutter der Auflösung. (Comm. in Matthaeum V,2)

Damit befinden wir uns bereits mitten in der komplexen Wirklichkeit von „Kirche“, die als Nachfolgegemeinschaft Jesu die menschgewordene Liebe und Barmherzigkeit Gottes gerecht zu leben und zu verkünden hat. Die rechtlich verfasste Institution „Kirche“ bietet ihren Gliedern diesbezüglich Identität, Einheit und – im Rückgriff auf bewährte Traditionen – Entlastung von ständiger Neu-Begründung. „Kirchenrecht. Eine verbindliche „Gesellschaftsordnung“ für die Gemeinschaft der Glaubenden“ weiterlesen

Alles hat seine Zeit – Nutze sie! Plädoyer für ein bewusst gestaltetes Leben im Jetzt

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Beitrag von Ao. Univ.-Prof. Dr. Andreas Vonach, Universität Innsbruck

Phänomene wie Globalisierung, weltweite Vernetzung oder Infragestellung von Gewohntem und Bewährtem durch Infiltration anderer Lebens- und Denkweisen bieten einerseits Chancen, bergen andererseits aber auch Gefahren in sich. Viele Menschen unserer Zeit können ein Lied davon singen. Die genannten Entwicklungen lassen die Zeit schnelllebig und das Leben kurz sowie den Alltag hektisch erscheinen. Was für die einen zu ökonomischem und wirtschaftlichem Aufschwung verbunden mit persönlichem Reichtum führt, treibt andere in die innere Emigration, in Not und Armut. Kurzum: Manche Menschen vermögen die Gelegenheiten, die das moderne Leben bietet, für sich zu nutzen, andere können dies weniger und gehen daran sukzessiv zugrunde. „Alles hat seine Zeit – Nutze sie! Plädoyer für ein bewusst gestaltetes Leben im Jetzt“ weiterlesen

Hinführung zur Dogmatik – Teil 2

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Beitrag von Univ.-Prof. Dr. Dr.habil Hans-Joachim Sander, Universität Salzburg

[Dieser Text ist hier auch als PDF erhältlich: Hinführung zur Dogmatik-Teil2]

Liebe Studierende,

zunächst wie immer am Anfang die Tageslosung der Herrenhuter: Wandelt als Kinder des Lichts; die Frucht des Lichts ist lauter Güte und Gerechtigkeit und Wahrheit. Epheser 5,8-9

Wir hatten im ersten Teil einerseits die Herkunft des Diskurses bestimmt, den wir Dogmatik nennen – das frühe 16. Jhd. im Wechsel der Wissensform zu loci, also Fundstellen von Argbumenten –, dann eine Formel gesucht, wann Dogmatik gut ist und wann sie nicht funktioniert – der Gegensatz von Dogmatik zum Dogmatismus – und wir hatten auch schon den Schlüssel für dogmatische Fundstellen benannt – die Autorität im Gegenüber zur Macht. Dabei gibt es weitere Differenzierungen, die sich aus der Überwindung binärer Codierungen ergeben. Die Fundstellen, loci, gelten damals (als Frucht des humanistischen Denkens, Agricolas De inventione dialectica, also der Aussöhnung von Logik und Rhetorik) für alle Wissenschaften. Sie nötigen dazu, sowohl die loci theologici zu erfassen, in denen die Rede von Gott heimisch ist (also Bibel, Tradition, Kirchenväter, die Kirche selbst, die römische Kirche etc.), als auch jene Fundstellen auszumachen, denen sie nicht ausweichen kann, obwohl sie ihr fremd sind, ja, sie befremden – also die loci theologici alieni. In dieser Konzeption, die von Melchior Cano stammt, erschließen sich im 16. Jhd. bereits drei solche befremdliche Fundstellen: Vernunft, Philosophie (was heute den Wissenschaften allgemein entspricht) und schließlich die Geschichte (historia). Diese Fundstellen sind befremdlich, aber sie haben auctoritas. „Hinführung zur Dogmatik – Teil 2“ weiterlesen

Hinführung zur Dogmatik – Teil 1

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Beitrag von Univ.-Prof. Dr. Dr.habil Hans-Joachim Sander, Universität Salzburg

[Dieser Text ist hier auch als PDF erhältlich: Hinführung zur Dogmatik-Teil1]

Wovon lebt die dogmatische Darstellungsweise des Glaubens? Sie lebt von der Autorisierung bestimmter Glaubensstandpunkte zu einer Lehre der Kirche. Das ist die klassische Antwort. Dogmatik befasst sich mit dem Glauben, sofern er Lehre geworden ist oder Lehre wird. Dazu gehört zugleich ein Wissen – das Wissen darum, was (in einer bestimmten Problematik natürlich) unter keinen Umständen zur Lehre werden darf. Das sind klassisch gesprochen die sog. Häresien. Es gibt also etwas Negatives – die Abwehr von Standpunkten, die falsch liegen – und etwas Positives – die Reformulierung des Glaubensvorgangs zur Lehre. Daraus ergibt sich eine Grunddifferenz zwischen der Macht der Verwerfung – potestas – und der Autorisierung von Lehrpositionen – auctoritas. Dogmen haben Autorität und autorisieren Menschen, die mit ihnen als Glaubensformeln arbeiten; sie haben weder Macht noch können sie sich mit Macht durchsetzen. Vielmehr sind Lehrsätze Kontaktzonen, um sich mit Machtkonstellationen auseinanderzusetzen und davon abzusetzen.

„Hinführung zur Dogmatik – Teil 1“ weiterlesen